TAtsächlichGUNG 2020 - Wir treffen uns im „WIRtuellen“ Raum! -

Besondere Zeiten erfordern besondere Kreativität, um Lösungen zu entwickeln und Möglichkeiten zu schaffen.

Wer weiß das besser als Pflegefamilien - als unsere Pflegefamilien - ist doch das Leben mit Pflegekindern immer wieder von Überraschungen und Herausforderungen geprägt. Und so haben wir uns alle gemeinsam, die Familien und unsere Kolleg:innen in der Fachberatung schon beim ersten Herunterfahren auf den Weg gemacht. Die Beratung und Begleitung der Familien auf Telefon und Video umgestellt und den Bereich unserer Pflegefamilien Akademie in den virtuellen Raum übertragen. Wir haben damit alle miteinander Neuland betreten, etwas gewagt. Und aus heutiger Sicht würde ich sagen, es war gut so und es hat überwiegend geklappt. Herzlichen Dank, Euch und Ihnen Allen. Mit diesen Erfahrungen haben wir uns dann für TAtsächlichGUNG 2020 im WIRtuellen Raum entschieden. Angelehnt an eine „echte“ Jahrestagung hatten wir uns für jeden Tag unseres geplanten Wochenendes vom 06.11. – 08.11.2020 ein kleines WIRtuelles Angebot überlegt. Es ging los mit dem Freitagabend und ich weiß noch wie aufgeregt wir waren, ob tatsächlich alles klappen wird. Mit einem Supportteam im Hintergrund hatten wir vorgesorgt. Die Beanspruchung war mäßig, haben doch ebenfalls unsere Familien inzwischen fast alle ausreichend Übung. Und dann waren sie plötzlich alle da, 69 Gesichter auf der Leinwand vor uns. Ein Winken, ein Hallo, ein Lachen, da ist es kaum eine Beeinträchtigung, dass der Bildschirm weitergescrollt werden musste, um alle sehen zu können. Nach einer Begrüßung und technischen Einweisung von Jens Rohe übernahmen Esther Schmitt und Bertram Kasper die Moderation der Tagung. Beide kamen sich vor wie im Studio, wie im Fernsehen, jemanden ansprechen ohne direkte und leicht erkennbare Resonanz. Doch es gelang beiden ganz gut im lockeren Dialog alle mitzunehmen. Besonders wichtig war es allen Pflegefamilien und allen Kolleg:innen für ihr Engagement und ihren Einsatz in diesen Zeiten zu danken. Und sie berichten freudig darüber, dass es gelungen ist im vergangenen Jahr mehr als 20 neue Pflegefamilien dazu zu gewinnen. Und auch die Kolleg:innen aus dem Fachberatungs- und Verwaltungsteam übermittelten ganz persönliche Grußbotschaften und dankten den Familien für ihr tolles Standing und kreativen Ideen gerade jetzt das Leben in Pflegefamilien proaktiv zu gestalten. Und dann ging es in virtuelle Kleingruppenräume, auf eine Tasse Tee, ein Glas Wein oder Bier verbunden mit der Möglichkeit in den Plenumsraum zurückzukehren. So entwickelten sich - fast wie bei einer echten Tagung – persönliche Gespräche in unterschiedlichen Runden und die Stimmung stieg minütlich. Am Samstag, wie üblich, ein fachlicher Input. Dafür konnten wir Irmela Wiemann, die Granddame im Pflegekinderwesen gewinnen. Ihr Vortrag wurde im Vorfeld aufgezeichnet, so dass ihn alle Familien gemütlich im eigenen Wohnzimmer über unseren Youtube Kanal „Pflegefamilien Hessen“ sehen konnten. Und die Resonanz war überwältigend, wie der Austausch danach widerspiegelte. Zwei Rückmeldungen sollen dies exemplarisch zeigen. So beispielsweise Daniela Emer: „Ich bin beeindruckt von dem Vortrag und habe mich als Pflegefamilie wiedererkannt und vor allem die Aspekte mit der Schule waren sehr hilfreich, da Lehrer:innen eben oft nicht verstehen wie es Pflegekinder wirklich geht. Bestimmt werde ich einigen Lehrer:innen den Film ans Herz legen. Und Regina Rauwolf beschrieb es so: „Meine Erwartungen – ich kannte ja Frau Wiemann schon von Fortbildungen bei euch – sind voll erfüllt. Und besonders gefällt mir, wieviel Wertschätzung sie für uns Pflegefamilie, für unsere Pflegefamilien und für die Herkunftseltern rüberbringt. Ich fühle mich von ihr so richtig gesehen.“ Auch das öffentliche Feedback zum Vortrag war bisher wirklich groß. So schreibt z.B. Jana Kohlmetz auf LinkedIn. „Ich habe den Vortrag gleich an befreundete Pflegefamilien weitergeleitet. Der Vortrag hat eine große inhaltliche Tiefe.“ Schon nach zwei Tagen wurde er auf youtube mehr als 600 Mal angesehen. Und gegen Abend stieg die Spannung nochmal deutlich an. Das Team vom Virtuellen Hut in Siegen traf gegen 14.00 Uhr ein, um alles für den Livestream vorzubereiten. Unsere dritte Session – das Überraschungskonzert live auf unserem Youtube-Kanal „Pflegefamilien Hessen“ und auf unserem facebook-Profil „Pflegefamilien Hessen und Pflegefamilien Akademie“. Das Live Konzert war ein Herzliches Dankeschön an alle unsere Pflegefamilie für ihr Engagement und dafür, dass sie lebenswerte Lebensorte für Kinder zur Verfügung stellen. Und es ist auch ein Dankeschön an alle Pädagog:innen, die sich in diesen schwierigen Zeiten für Kinder und Jugendliche einsetzen und diesen Halt und Zuversicht geben. Und wir konnten zwei echte Vollblut Musiker:innen engagieren, Jördis Tielsch und Peter Schneider: Jördis Tielsch kommt aus Sinn im Lahn-Dill-Kreis ist Musikstudentin und inzwischen seit zehn Jahren als Singer – Songwriterin und Geigerin unterwegs. Sie hat mehrere Alben veröffentlicht und war schon mit den Wise Guys und Heinz Rudolf Kunze auf Tour. Und sie nahm uns mit auf eine echte musikalische Wohlfühlreise. Ihre sympathische Art, ihre warme und markante Stimme und ihre musikalische Vielfältigkeit mit unterschiedlichen Instrumenten steckten unser Familien in ihren Wohnzimmern an. Und mit dabei war Peter Schneider ein virtuoser und studierte Jazz Gitarrist, der Jördis Tielsch schon seit vielen Jahre begleitet. Seine Viel-Saitigkeit wertete das Konzert auf und seine Gitarreneinlagen luden zum Mitschwingen ein. Über einhundert Kommentare in den sozialen Medien waren überwältigend. Exemplarisch zitieren wir einen Kommentar von Ernst Prall: Wunderschön! Berührend! Einfühlsam. Und immer dabei die irische Seele! Danke Euch allen, die das möglich gemacht haben! Wieder war eine Etappe geschafft. Am Sonntagmorgen knüpften wir an unsere Jubiläumstagung aus 2018 an, bei der wir zum ersten Mal eine Andacht anboten. Uli Kling-Böhm, seit Januar 2020 Vorstand vom St. Elisabeth-Verein, begrüßte unsere Familien mit einem sehr wertschätzenden Grußwort und hielt dann für uns alle eine Andacht. Zu den von ihm ausgewählten Musikstücken erzählte er jeweils eine persönliche Geschichte, so dass die Familien in gut kennenlernen konnten. Er sprach von Hoffnung und Gemeinschaft im Glauben und auch im St. Elisabeth-Verein. Unser Resümee: ein gelungenes Experiment, das gut bei unseren Familien ankam und deutlich macht: Wir sind eine große Gemeinschaft, die sich für Kinder in Pflegefamilien einsetzt und damit einen echten gesellschaftlichen Beitrag leistet.