Gelungenes Miteinander von Sozialer Arbeit, Kirche und Diakonie

Bischöfin von Kurhessen-Waldeck nimmt Einblicke in die Arbeit des St. Elisabeth-Vereins

Gemeinsam mit Margret und Sascha von Pritzelwitz, Alexandra Böth und Alexandra Becker (hinten von links) begrüßten die Vorstände des St. Elisabeth-Vereins Marburg, Matthias Bohn (vorne links) und Ulrich Kling-Böhm, die Bischöfin der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck, Dr. Beate Hofmann, auf dem Reitsporthof in Hermershausen, um über die sozial-diakonische Arbeit zu informieren.

Seit Herbst 2019ist Dr. Beate Hofmann die erste Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Jetzt informierte sie sich während eines Antrittsbesuches über den St. Elisabeth-Verein.

Bei von den betreuten Mädchen selbst gebackenem Kuchen und Nussecken erhielt die Bischöfin auf dem Gelände des Reitsporthofs Hermershause wie auch in der Reithalle Eindrücke über das tiergestützte, heilpädagogische Intensivbetreuungskonzept für Mädchen, die zuvor oft über einen längeren Zeitraum die Schule verweigert hatten.

Das Projekt „Mädchen-Pferde-Schule“ wurde im Jahr 2006 von Margret von Pritzelwitz beim St. Elisabeth-Verein ins Leben gerufen. Die Geschäftsbereichsleiterin hatte bis dahin während ihrer langjährigen Arbeit im Mädchenwohngruppenbereich vermehrt vor der Herausforderung gestanden, für Mädchen mit schulverweigerndem Verhalten ein adäquates Betreuungssetting anbieten zu können. Aus dem Anspruch heraus, auch diesen Mädchen Hilfestellungen geben zu können, sowie dem Wissen um die enorme heilpädagogische Wirksamkeit von Pferden gerade bei Mädchen entstand die Konzeption „Mädchen-Pferde-Schule“. „Mädchen, die die Schule verweigern, erfahren durch Unterstützung des Partners Pferd wieder Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung“, erklärten die stellvertretende Geschäftsbereichsleiterin Alexandra Böth und Teamleiterin Alexandra Becker. „Die Mädchen bekommen wieder Motivation für Lerninhalte und arbeiten auf ihr großes Ziel Schulabschluss hin.“

Zuvor hatte sich Bischöfin Hofmann in der Marburger Emmauskirche über ein außergewöhnliches Projekt informiert: Seit 2016 ist der St. Elisabeth-Verein durch einen Erbbau-Vertrag Besitzer der Emmauskirche und hat dort den Fachdienst OIKOS verortet: Teams der ambulanten Jugendhilfe und der Sozialpsychiatrie. Seitdem nutzen Kirchengemeinde und Verein die Räume in der Leipziger Straße gemeinsam, läuten zu den Gottesdiensten in der Kirche weiter die Glocken und dienen die Gemeinschaftsräume der Kirchengemeinde für ihre Gemeindearbeit. Ansonsten aber ist der St. Elisabeth-Verein in die Räume eingezogen, so wurde beispielsweise die ehemalige Pfarrwohnung in Büroräume umgestaltet.

Zudem dient der Kirchenraum dem Verein für besondere Veranstaltungen, beispielsweise der jährlichen Ehrung verdienter Mitarbeitenden oder den Andachten in der Adventszeit, wie Vorstand Ulrich Kling-Böhm berichtete. Für Petra LauerGeschäftsbereichsleitung des OIKOS-Sozialzentrums, beinhaltet dieses Zusammenspiel die Möglichkeit sich mit Kirche anders auseinanderzusetzen „und es gelingt Begegnung miteinander zu gestalten“.

Denn auch das Zusammenspiel von Kirche und Diakonie war Thema beim Antrittsbesuch der Bischöfin. Nicht die strukturellen Zusammenhänge seien entscheidend für ein gelingendes Miteinander, auf die inneren Verbindungen komme es an. Dieses Verständnis ist für die Bischöfin gerade in der Emmauskirche in besonderer Weise umgesetzt. Ein wichtiges Thema für die Bischöfin, die als Professorin für Diakoniewissenschaft und Diakoniemanagement an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel tätig gewesen ist, bevor sie im September in ihr Amt eingeführt worden ist.

Auch der Umgang mit der Corona-Pandemie war ein Thema. „Wir haben über mehrere Wochen Kirche ohne Veranstaltungen in den Gebäuden erlebt, und es hat funktioniert“, sagt die Bischöfin. Es habe sich gezeigt, dass die Kirche neue Wege gefunden habe, um ihre Botschaften auch ohne Zusammenkünfte zu verbreiten. Denn: „Kirche sein heißt auch, in Bewegung zu sein und sich nicht nur an festen Strukturen abzuarbeiten. So können wir Menschen neu erreichen. Das müssen wir uns auch für die Zeiten nach Corona bewahren.“